Wenn man von Traunkirchen spricht, dann denkt man sicher zuerst einmal an die prächtige barocke Pfarrkirche mit der berühmten Fischerkanzel als Rest des zuerst von den Benediktinerinnen und später von den Jesuiten geführten Klosters, das 2020 sein 1000jähriges Bestandsjubiläum feiert und an den sagenumwobenen Johannesberg mit seiner weithin sichtbaren Kapelle.

Viele Besucher/innen wissen aber nicht, dass sie sich auf uraltem Siedlungs- und Kulturboden befinden, dessen Geschichte weit zurück, bis in die Bronze- und Eisenzeit reicht. Das hängt damit zusammen, dass die damaligen Siedlungen, Kultplätze und Gräberfelder nur durch sehr kostspielige und aufwändige Grabungen sichtbar gemacht werden können. Einige sind in Traunkirchen bereits erfolgt und von diesen gibt es eine Vielzahl an tollen und herausragenden Funden, die aber bis vor einigen Jahren in den Depots von Ausgräbern und Museen verschwunden sind und für die Öffentlichkeit nicht zugängig waren.

Um dies zu ändern, wurde 2011 von Mag. Manfred Schindlbauer der Verein ARCHEKULT gegründet, der es sich unter dem Motto „Vergangenes bewahren – Zukunft gestalten“ zur Aufgabe gemacht hat, die wertvollsten dieser archäologischen Funde aus der Bronze- und Hallstattzeit nach Traunkirchen zurückzuholen und der Öffentlichkeit zugängig zu machen. Derzeit geschieht dies in einem Ausstellungsraum in der Gemeinde und in Form von Vitrinen in einigen öffentlichen Räumen (z.B. Hotels, Restaurants) und in Form eines archäologischen Wanderweges unter dem Motto „Ein ganzes Dorf ist Museum“.

Zudem möchte der Verein, der derzeit rund 80 Mitglieder hat, das kulturelle Leben in Traunkirchen u.a. durch Lesungen und Vorträge bereichern. Ein alljährlicher Fixpunkt ist dabei das „Fest für die Archäologie“  geworden, dessen Mittelpunkt stets der Vortrag einer bedeutenden Archäologin bzw. eines bedeutenden Archäologen ist und bei dem unser Klostersaal immer bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Auch beim heurigen „Tag des Denkmals“ war das Interesse so groß, dass wir spontan Zusatzführungen organisieren mussten .

Unser großes Ziel ist es aber, ein eigenes archäologisches Museum in Traunkirchen zu etablieren, in dem die vielen Dauerleihgaben aus dem Landesmuseum und vom Bundesdenkmalamt und auch eigene Sammlungen umfassend präsentiert werden können und die überregionale Bedeutung Traunkirchens als wichtiges Zentrum des Salzhandels deutlich gemacht werden soll.

Das Salzkammergut – sowohl das steirische als auch das oberösterreichische – bietet eine Fülle von Kulturgütern, von denen ein Großteil in einem Dornröschenschlaf ruht und bisher kaum in adäquater Weise der Öffentlichkeit präsentiert wird. Fast jeder Ort entlang der Traun und der Salzkammergut-Seen hat einen geschichtlichen Bezug zum Weg des Salzes, wie Ihnen jetzt Bernhard Bichler kurz zeigen wird.

 

 

Erlauben Sie mir einleitend ein paar grundlegende Gedanken zur Archäologie und zur Errichtung eines Museums zu äußern: Warum beschäftigen wir uns überhaupt mit der Vergangenheit? Woher kommt unsere Faszination für vergangene Zeiten und Kulturen? Jeder Mensch überblickt in erster Linie seinen eigenen Lebensbereich, auch in zeitlicher Hinsicht, und hätte am liebsten, dass alles so bliebe, wie er es kennt. Jede Veränderung verunsichert uns. Der Blick in die Geschichte lehrt uns jedoch, dass es immer Veränderungen gegeben hat, die die Menschen gezwungen haben, sich an neue Situationen anzupassen. So können wir aus der Vergangenheit lernen, aus der Art, wie unsere Vorfahren auf Veränderungen reagiert haben. Wie sind sie mit Klimaveränderungen umgegangen, die sie zum Teil selbst verursacht haben, welche gesellschaftlichen Veränderungen wurden dadurch bewirkt, welche Rollen spielten soziale Hierarchien, die Verteilung der Geschlechterrollen, Wanderbewegungen?  – alles hochaktuelle Fragen. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit kann damit auch zur Bewusstseinsbildung führen und einen Lernprozess bewirken, der uns hilft, aktuelle Probleme zu lösen.

In den letzten 20 Jahren kristallisierte sich immer deutlicher heraus, dass Traunkirchen und Hallstatt  eine wirtschaftliche und laut Dr. Kern, dem Leiter der Ausgrabungen in Hallstatt, sogar politische Einheit (ungefähr vergleichbar mit einem Fürstentum) waren. Das alles verbindende Element war der Rohstoff Salz. 

Salz diente damals nicht nur als Gewürz wie heute. Es bot die einzige Möglichkeit, Lebensmittel, vor allem Fleisch, durch Pökeln haltbar zu machen und so Vorräte anzulegen. Auch bei der Bearbeitung von Leder, Fellen, Metallherstellung, Glasproduktion, Heilkunst und Viehhaltung war es von großer Bedeutung.
Die Bergleute, die in Hallstatt Salz abbauten, mussten aber auch versorgt werden, sie brauchten weitere Arbeitskräfte, Rohstoffe, Lebensmittel und Werkzeuge.  Um diese hinzutransportieren und das gewonnene Salz abzutransportieren, war Traunkirchen ein wichtiger Knotenpunkt.

 

Traunkirchen liegt auf einer Halbinsel im Traunsee, bietet wenige eben Flächen, ist also für eine Siedlung weniger geeignet, die strategische Lage an der Grenze zwischen alpinem Bergland und Alpenvorland und an der Wasserstraße der Traun prädestiniert den Platz jedoch als idealen Kontrollpunkt des Handels. Die systematische Erforschung setzte jedoch erst spät ein – jeder kennt Hallstatt, wenige die historische Bedeutung von Traunkirchen!     

  

Der Aufstieg Traunkirchens zu einem Zentrum des Äußeren Salzkammerguts begann um 1000 v. Chr., also genau zu der Zeit, als der Bergbau in Hallstatt seine erste große Blüte erlebte. Der Höhepunkt der Siedlung war zwischen 800 und 600 v. Chr. in der Älteren Hallstattzeit; sie erstreckte sich damals zwischen See, dem heutigen Kloster und dem Johannesberg. Umgeben war sie von zwei Friedhöfen, einer im Innenhof des Klosters, der andere auf der so genannten "Klettenwiese". Kultisches Zentrum war der Johannesberg, auf dem ein Brandopferplatz nachgewiesen werden konnte, auf dem bis in die Römerzeit den Göttern Speise- und Trankopfer dargebracht wurden.

Einige der wichtigsten Funde aus diesen Fundbereichen möchte ich Ihnen jetzt kurz vorstellen...

Auf dem Johannesberg wurden neben verbrannten Knochen- und Keramikresten auch Gebrauchsgegenstände gefunden. Interessant sind diese sogenannten Astragali, Knochen, die für Spiele, evtl. auch Orakel verwendet wurden.

Das Siedlungsgebiet  können wir uns wie eine sog. Pfahlbausiedlung vorstellen, Spinnwirteln zeigen, dass Textilien lokal produziert wurden.

Aus den Gräberfeldern  konnten bedeutende Funde geborgen werden: Keramik , Waffen und Gebrauchsgegenstände . Eine Traunkirchner Besonderheit sind die Hohlwulstringe aus Bronze , die hier in so großer Zahl und Qualität gefunden wurden, dass sogar eine lokale Produktion angenommen wird. Gefunden wurden diese nur in Frauengräbern, offensichtlich waren sie Teil der Tracht vornehmer Frauen, evtl. sogar Priesterinnen zur Hallstattzeit.  Auch anderer Schmuck, wie diese Brillenfibel  oder ein Goldspiralring zeigen den Wohlstand der Bevölkerung. Diese Funde sind derzeit nur in geringer Zahl in Traunkirchen zu sehen, durch Ankauf von Privatsammlungen und Zusagen des Bundesdenkmalamts konnte jedoch gesichert werden, dass ein Großteil im geplanten Museum gezeigt werden kann.

Ein Schwerpunkt der Ausstellung wird aber die Vernetzung Traunkirchens mit Hallstatt und anderen Orten im Salzkammergut und nördlich davon entlang von damaligen Handelsrouten sein. Hier sehen sie bedeutende Hallstattzeitliche Fundplätze in OÖ . Die wichtigste nördliche Handelsroute verlief entlang der Traun über Bad Ischl nach Ebensee, dann über den See bzw. über einen Fußpfad über den Sonnstein nach Traunkirchen und von dort über Altmünster, Pinsdorf, Gmunden in das Alpenvorland. Eine wichtige Station war der Waschenberg bei Bad Wimsbach, wo die einzige Eisenverhüttungsanlage der Region nachgewiesen ist. Von dort ging es weiter in das Linzer Becken nach Asten und Ansfelden. Entlang dieser Handelsroute finden sich wichtige Fundplätze, die oft in kleinen, feinen, aber manchmal wenig beachteten Museumsprojekten präsentiert werden. Diese in wissenschaftlicher, aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung zu vernetzen und zu fördern ist ein wichtiger Teil unseres Konzepts, wie ihnen jetzt Iris Wolf wieder darstellen wird.

 

 

 

Unser Projekt „Wege zum Salz: Archäologisches Museum Traunkirchen“ umfasst zwei Teilbereiche:

·         das Ortsprojekt eines archäologischen Museums und

·         das Regionalprojekt „Wege zum Salz“, das die enge Zusammenarbeit verschiedener Museen aus der Region vorsieht.

Beide Projekte möchte ich jetzt kurz vorstellen.

Zuerst das Museum an sich:

Das wissenschaftliche Konzept wurde ihnen von Bernhard Bichler bereits nähergebracht, ich setze nun mit dem räumlichen Konzept fort.

 

Das zukünftige Museumsgebäude liegt direkt im Ortszentrum von Traunkirchen und ist Teil des Kulturzentrums mit Kloster, Veranstaltungssälen, der Internationalen Akademie, eines Handarbeitsmuseums und einer Kunstgalerie.

Die Lage ist optimal, weil es in unmittelbarer Nähe große PKW- und Busparkplätze gibt, die Bahnstation und Bushaltestelle sind in Gehweite und es gibt mehrere gastronomische Betriebe und Hotels direkt in der Nachbarschaft.

 

Das denkmalgeschützte sogenannte Mesnerhaus ist praktisch ein Anbau des Klosters und stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Zeit der Jesuiten.

Der Bauzustand ist relativ gut, da das Gebäude in den letzten Jahren als Wohnhaus genützt wurde. Für die Verwendung als Museum sind im Inneren natürlich Adaptierungen nötig, um zwei große Ausstellungsräume zu schaffen. Der Zugang ist ebenerdig und daher barrierefrei.

Träger und Betreiber des Museums ist die Gemeinde Traunkirchen, der laufende Betrieb erfolgt in Kooperation mit dem Verein Archekult. Innerhalb des Vereines Archekult gibt es wiederum Verantwortliche für die einzelnen Arbeitsbereiche wie Kooperationen, Marketing, Gebäudemanagement, Veranstaltungskoordination etc.

 

Wie man auf diesem Plan erkennen kann, sollen neben einem Kassa- und Shopbereich v.a. zwei Ausstellungsräume mit je rund 59 und 54 m² geschaffen werden.

Der Ausstellungsraum 1 soll sehr mobil gestaltet sein. Neben den Ausstellungsflächen an den Wänden soll er auch als Gruppen- und Vortragsraum genutzt werden können, mit einer Medienstation und Beamer und einer Fläche für Sonderausstellungen.

Die Dauerausstellung wird durch ein mehrsprachiges Informations- und Leitsystem erschlossen. Als Vermittlungshilfen werden Texte, Illustrationen und Modelle, aber auch audiovisuelle Medien eingesetzt und es wird einen Führer durch die Ausstellung geben, geplant ist sowohl eine Printversion als auch eine App.

Die Dauerausstellung wird in den Sommermonaten und zu besonderen Anlässen durch Wechselausstellungen ergänzt, zu denen es dann auch ein gesondertes Begleitprogramm geben wird. Schwerpunkte sind dabei Präsentationen ur- und frühgeschichtlicher Sammlungen aus anderen Gemeinden des Bezirks, die sonst kaum zu sehen sind, z.B. der urnenfelderzeitliche Depotfund von Ohlsdorf.

Weitere Mittel der Vermittlung sind:

·         die Museumshomepage

·         die Einbindung des Museums in einen archäologischen Wanderweg zu den Fundstellen unter dem Motto „Ein ganzes Dorf ist Museum“

·         Führungen durch das Museum und über den Wanderweg

·         Regelmäßige Veranstaltungen wie Vorträge, Lesungen, Aktionstage, Exkursionen

·         Ein „archäologischer Stammtisch“ unter dem Motto „Ein Abend im Museum“ bei freiem Eintritt

·         Workshops für Schüler zur Ur- und Frühgeschichte

·         Ferienprogramme für Kinder und Jugendliche, u.a. archäologische Erlebnisführungen

Unser Ziel ist es, einen möglichst großen Kreis kulturell und historisch interessierter Menschen anzusprechen und als Besucher zu gewinnen. Und dafür ist es essentiell, das Museum in Traunkirchen nicht isoliert zu betrachten, sondern als wichtigen Teil einer regionalen Kooperation.

Und damit sind wir beim zweiten Schwerpunkt, der durch das Museumsprojekt in Traunkirchen verwirklicht werden soll, das regionale Projekt „Wege zum Salz“.

Wege zum Salz:

Gedacht ist dies als Kooperation mit bestehenden Museen, die sich bereits mit dem Thema Salz, Salztransport usw. beschäftigen, wie z.B. das Welterbemuseum in Hallstatt, das Kammerhofmuseum in Gmunden, das Tempus in Bad Wimsbach Neydharting, das Schiffleutmuseum in Stadl-Paura usw.

In den Bereichen Forschen, Sammeln und Präsentieren soll hier intensiv zusammengearbeitet werden, die Bewerbung und Vermarktung soll gemeinsam erfolgen.

Eine Idee ist es auch, in Kooperation mit Reisebüros bzw. Reiseunternehmen geführte archäologische Themenfahrten durch das Salzkammergut zu veranstalten (Tagesfahrten, Wochenendfahrten,…) oder z.B. auch die Errichtung eines „Salzweges“ für Wanderer und Radfahrer entlang der Traun zwischen Lambach und Hallstatt.

Auch gemeinsam organisierte Veranstaltungen, Themenabende, Sonderausstellungen, Tage der offenen Tür und Publikationen wären ein großer Gewinn für alle Beteiligten, für die gesamte Region.

Wichtig ist, sich zu vernetzen und eine Kooperation mit bestehenden örtlichen und regionalen Kultur- und Bildungseinrichtungen, Vereinen und Tourismuseinrichtungen anzustreben. Der gemeinsame rote Faden ist das Salz, das die Geschichte des Salzkammerguts von Anbeginn an prägt und bis heute stark beeinflusst.

Zur Erfüllung dieser Aufgaben und zur Vertiefung der Zusammenarbeit soll ein Gremium geschaffen werden, in dem jedes teilnehmende Museum vertreten ist und das regelmäßig zusammentritt. Insbesondere wird es Aufgabe sein, die Zusammenarbeit dieses Museums-Netzwerkes für die Besucher sichtbar zu machen, beispielweise durch ein gemeinsames Logo, ein Kombi-Ticket für alle Museen, einen gemeinsamen Museumsführer und gemeinsame Werbestrategien.

Die Kosten:

Der Großteil der Kosten, die auf etwa 286.000 € veranschlagt sind, entfällt auf den Umbau des Gebäudes, das bisher als Wohnung genutzt wurde. Bei der Adaptierung als Museum sind Vorgaben des Oberösterreichischen Museumsverbundes zu berücksichtigen, ohne die eine Verleihung des angestrebten Museumsgütesiegels nicht möglich ist. Dies würde aber für das Museum von Anfang an eine Zweitklassigkeit bedeuten; außerdem würden Werbemöglichkeiten und Unterstützungen beim Aufbau des Museums und beim Betrieb des Museums wegfallen. Etwa ein Drittel der Kosten entfallen auf die Einrichtung des Museums und die Realisierung der Ausstellung. Darin enthalten sind aber auch Werbekosten und Ausgaben für das Regionalprojekt; diese kommen also auch allen teilnehmenden Partnern zugute. Zu betonen ist auch noch, dass der ARCHEKULT-Vorstand und viele Vereinsmitglieder ehrenamtliche Arbeit für die Entwicklung des Museumsprojektes und die Gestaltung des Museums schon geleistet haben und weiterhin leisten werden, was zu einer Kostenminimierung beitragen wird.

 

Wir sehen unser Projekt „Wege zum Salz“, das einerseits die Errichtung eines archäologischen Museums in Traunkirchen und andererseits die Vernetzung und regionale Zusammenarbeit umfasst, als attraktive Chance für den Tourismus und speziell für kleinere örtliche Museen und Kultureinrichtungen, Teil eines großen Ganzen zu werden und somit einen breiteren Personenkreis ansprechen zu können.