Veranstaltungen 2021

Ausstellungen im Kloster Traunkirchen

Museumswelt im Kloster Traunkirchen

Am 1. Mai startet die Museumssaison in Traunkirchen. Gleich 3 Ausstellungen sind mit einem Ticket zu entdecken. Und dieses Jahr sollte für jeden etwas Interessantes dabei sein.

Der Rundgang beginnt mit dem Handarbeitsmuseum. Traditionelle Arbeitstechniken werden von den Goldhaubenfrauen der Region im Rahmen des internationalen Museumstages gezeigt, und laden zum Mitwirken ein. An verschiedenen Orten im Kloster und im Außenbereich werden Stationen aufgebaut, wie eine überdimensionale Strickliesl, die gerne ausprobiert werden darf.

Der Rundgang führt den Besucher weiter zu den Schautafeln des Jubiläums „1000 Jahre Kloster“, das heuer in die 2. Runde geht. Faszinierend zeigt sich die Entwicklung des Klosters durch kirchliche und weltliche Einflüsse in einer bewegte Geschichte Traunkirchens.

Die Wurzeln des Ortes reichen zeitlich jedoch weitaus länger zurück. Der Verein Archekult zeigt ausgewählte Fundstücke der vorchristlichen Traunkirchner Bevölkerung. Für findige Kinder von 6 bis 11 Jahren gibt es die Möglichkeit archäologische Rätsel zu lösen. Startpunkt ist der Traunkirchner Johannesberg. Informationen dazu gibt es im Schauraum von Archkult.

Geöffnet jeweils von Freitag bis Sonntag, 14:00 - 18:00 Uhr, zusätzl. Donnerstag, 6. und 13. Mai 2021, 14:00 - 18:00 Uhr.

Rätselrallye für Kinder

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Fest für die Archäologie 2021

Am 22.10.2021 konnte unser "Fest für die Archäologie 2021" in Zusammenarbeit mit der "Internationalen Akademie Traunkirchen" unter genauer Beachtung der Corona-Vorschriften stattfinden. Prof. Dr. Peter Trebsche und Mag. Cyril Dworsky berichteten in spanndenen Vorträgen über die Ergebnisse der Prospektionen des letzten Jahres. Highlights waren Erkenntnisse über die bisher nicht bekannte Ausdehnung des Gräberfelds im Klosterbereich, Videosequenzen der Arbeit unter Wasser und Einblicke in die aufwändige Arbeit der Forscher bei der Analyse der Bohrkerne. Die musikalische Umrahmung durch den Akkordeonisten Aleksandar Jovancic und das abschließende gemütliche Beisammensein rundeten das gelungene Fest ab.

Archäologische Forschungen im Oktober 2020 und April 2021

Im Gegensatz zu den prähistorischen Gräbern auf der „Klettenwiese“ und im Innenhof des Klosters, deren Reichtum zur Vermutung Anlass gibt, dass Traunkirchen in der Urnenfelder- und Hallstattzeit eine wichtige Rolle im Salzhandel von Hallstatt in den Donauraum spielte, ist der Siedlungsbereich bisher nur punktuell erforscht. Das Projekt der Universität Innsbruck und des Kuratoriums Pfahlbauten unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Peter Trebsche und Helena Seidl da Fonseca MA hat sich die Aufgabe gestellt, diese Lücke zu schließen. Ziel der ersten Phase, die zwei einwöchige Prospektionskampagnen umfasste, war es, die genaue Ausdehnung des prähistorischen Siedlungsareals, die Tiefe der Fundschichten und ihren Erhaltungszustand zu ermitteln und die Fundstellen präzise zu datierten. Da sich die Fundzonen sowohl auf Bereiche unter dem Wasserspiegel des Sees als auch auf das trockene Ufer erstrecken, kamen unterschiedliche zerstörungsfreie Prospektionsmethoden zum Einsatz: Betauchung der Flachwasserzone im Uferbereich, Unterwasserbohrungen zur Gewinnung von Seesedimenten, geophysikalische Messungen und Rammkernbohrungen an Land.

Prospektionen unter Wasser:

Die taucharchäologischen Prospektionen in der ufernahen Flachwasserzone gestalteten sich schwierig, da der Seegrund hier von zahlreichen Pflanzen und Dreiecksmuscheln bewachsen ist, sodass keinerlei archäologische Funde oder Befunde sichtbar sind. Dennoch gelang es in der ersten Woche des Projektes drei Bohrfluchten – eine parallel zum Ufer, zwei quer dazu in Ost-West-Richtung – anzulegen. In der parallel zum Ufer verlaufenden Bohrflucht A wurde auf einer Länge von mindestens 30 Metern in 2 bis 3 Metern Tiefe eine organische Schicht mit vielen Holzresten festgestellt. In den Bohrkernen der beiden anderen Fluchten konnten zwei voneinander getrennte Kulturschichten nachgewiesen werden, die nach der Radiokarbon-Datierung eindeutig in die Hallstattzeit fallen, wobei die untere Schicht wahrscheinlich der Älteren Hallstattzeit (800 – 630 v. Chr.), die obere der Jüngeren Hallstattzeit (680 – 450 v. Chr.) angehört. Diese Zeitspanne überlappt sich mit der Belegungszeit des Gräberfeldes im Kloster und entspricht daher den Erwartungen der Archäologen. Ein Stück Holz aus nur 55 bis 60 cm Tiefe brachte dagegen eine Überraschung: Es datiert mit großer Wahrscheinlichkeit in den Zeitraum zwischen 950 und 1027 n. Chr., also genau in die Zeit um 1020, in der das Kloster Traunkirchen nach historischen Quellen gegründet wurde. Das Holz könnte im Zuge der Rodung der Halbinsel oder der ersten Baumaßnahmen gefällt worden sein.

Bohrkerne als Umweltarchive:

Den wertvollsten „Schatz“ aus der ersten Prospektionskampagne stellen drei Bohrkerne dar, die aus dem Seegrund unter Wasser gezogen worden sind. Sie enthalten nicht nur Kulturschichten bestehend aus dem Abfall der hallstattzeitlichen Menschen, sondern auch Seesedimente, in denen sich Pflanzenpollen abgelagert haben, die die Rekonstruktion der Vegetation ermöglichen und damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung Traunkirchens in urgeschichtlicher Zeit leisten können. Noch sind die Analysen an der Universität Innsbruck nicht abgeschlossen, die bisherigen Ergebnisse liefern aber schon jetzt wertvolle Einblicke in Ackerbau und Viehzucht sowie in die Ernährungsgewohnheiten während der Älteren Eisenzeit. Die interessantesten Funde stellen Pflanzenreste und Tierknochen dar. Angebaut wurden die Getreidesorten Gerste, Weizen und Echte Hirse, die hallstattzeitlichen Bewohner Traunkirchens sammelten zur Ergänzung ihres Speisezettels und der Deckung des Vitaminbedarfs auch Wildpflanzen wie Haselnuss, Kornelkirsche, Brombeere und Himbeere sowie Steinobst. Noch nicht untersucht sind die Tierknochen; Funde aus dem Gräberfeld weisen aber darauf hin, dass in Traunkirchen – wie üblich in der Hallstattzeit – Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen als Haustiere gehalten wurden. Nadeln von Fichte, Tanne, Lärche und Zirbe geben Hinweise auf die Bewaldung der Umgebung, lassen aber auch auf die Nutzung dieser Hölzer in der Siedlung schließen.

 

Geophysikalische Messungen und Rammkernbohrungen an Land:

 

In der ersten Phase des Projekts wurden im Uferbereich zwei Flächen im Ausmaß von 160 bzw. 200 m² geomagnetisch vermessen. In den Magnetbildern sind zahlreiche Störungen zu erkennen, die durch Eisenteile und die moderne Gestaltung des Parks verursacht sind. Einige schwächere Anomalien könnten auf archäologische Befunde zurückgehen; so zeichnet sich die Grabungsfläche von 1994 recht deutlich ab. Diese geophysikalischen Messungen dienten als Grundlage für die Bohrungen mittels Rammkernsonde, die im ehemaligen Klostergarten – heute der Park zwischen Klosterhügel und Johannesberg – im April 2021 mit dem Ziel durchgeführt wurden, die Magnetanomalien genauer zu deuten.

 

Die Bohrungen im Park brachten die Bestätigung, dass sich die hallstattzeitliche Siedlung über das gesamte Areal zwischen See und heutigem Parkplatz erstreckte. Die Tatsache, dass das Bohrgerät erst in sechs Metern Tiefe auf gewachsenen Fels stieß, stellt aber eine große Überraschung dar. Darüber lagert eine Schicht aus Seekreide; dies bedeutet, dass der See bei höherem Wasserstand als heute eine Bucht zwischen Kloster und Johannesberg bildete, die in urgeschichtlicher Zeit als natürlicher Hafen genutzt wurde. Eine vier Meter dicke Kulturschicht zeugt von einer intensiven, sich über Jahrhunderte erstreckenden Siedlungstätigkeit auf der Traunkirchner Halbinsel – nur so ist die mächtige Schicht aus Abfällen der damals hier lebenden Menschen zu erklären.

 

Die Befunde aus den beiden Prospektionswochen legen die Vermutung nahe, dass der Seespiegel in urgeschichtlichen Zeiten starken Schwankungen durch Klimaveränderungen ausgesetzt war. Zu gewissen Zeiten war er 3 bis 4 Meter niedriger als heute, die Befunde aus den Bohrungen an Land weisen aber darauf hin, dass er rasch wieder angestiegen sein muss, weil in den Bohrkernen sonst kaum organische Funde nachzuweisen wären, zu deren Erhaltung ein Feuchtbodenmilieu notwendig war. Anhand der Bohrkerne wird es vielleicht möglich sein, ein Modell der Topographie der Traunkirchner Halbinsel in urgeschichtlicher Zeit zu erstellen.