Vortrag Manfried Rauchensteiner, 20.3.2019

Ein Kaiser zu viel - Deutschösterreich 2018 - 2019

Im November 1918 verzichtete der letzte Kaiser Österreich-Ungarns, Karl I., auf "jeden Anteil an den Regierungsgeschäften". In den nächsten Monaten wurde er immer mehr zur Verlegenheit: In Wien hatte seine Weigerung abzudanken und ins Exil zu gehen zu einer weiteren Verschärfung der Lage beigetragen - Staatskanzler Renner drohte unverhohlen, ihn zu internieren - und auch die Siegermächte des I. Weltkrieges wussten nicht so recht, wie man mit ihm verfahren sollte. 

Schließlich entschloss sich der Ex-Kaiser doch zur Emigration und wurde am 24. März 1919 mit seiner Familie in einem Sonderzug in die Schweiz gebracht. Noch vor Überquerung der Landesgrenze nahm er seinen Verzicht des Vorjahres zurück mit der Begründung, es wäre, wem auch immer, nicht gegeben einen Kaiser "von Gottes Gnaden" abzusetzen. Die Republik antwortete auf diesen Eklat mit der bedingungslosen Landesverweisung des "ehemaligen Trägers der Krone" und der Ausweisung aller Angehörigen der Familie Habsburg-Lothringen, die sich nicht ausdrücklich zur österreichischen Verfassung bekannten.

Prof. Manfried Rauchensteiner, Historiker, Professor für Österreichische Geschichte an der Universität Wien, ehemaliger Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums und Autor zahlreicher Bücher erzählte in seinem Vortrag die spannende und dramatische Geschichte der Entstehung der Republik Österreich in den Jahren 1918/1919. Von ihm stammt das Standardwerk "Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie 1914 - 1918", zuletzt erschien sein Band "Unter Beobachtung. Österreich seit 1918", in dem er abwechslungsreich und unterhaltsam einen Überblick über die Geschichte der letzten 100 Jahre gibt.