Einer hallstattzeitlichen Siedlung auf der Spur

ARCHÄOLOGISCHES PILOTPROJEKT IN TRAUNKIRCHEN

Beschreibung des Projekts:

Die Entdeckung der zu den Friedhöfen und einem Kultplatz auf dem Johannesberg gehörigen Siedlung verdankt die Forschung dem Missgeschick eines Ausflugsschiffes, das vor der Nordspitze der Traunkirchner Halbinsel auf Grund lief und einen tiefen Graben hinterließ. Taucharchäologische Untersuchungen stellten eine bis zu 50 cm dicke Kulturschicht fest. Sondierungsgrabungen des Bundesdenkmalamtes im Klostergarten lieferten den Beweis, dass sich die Fundzone auch über die heute trockenen Bereiche des Seeufers erstreckt.

Welche Bedeutung die hier aufgrund verschiedener Funde von Holzresten, Steinsetzungen und Hüttenlehmfragmenten nachgewiesene Siedlung im Netzwerk des Hallstätter Bergbaus hatte, wird nun von der Universität Innsbruck und dem Kuratorium Pfahlbauten unter der Leitung von Prof. Peter Trebsche und Helena Seidl da Fonseca MA durch feldarchäologische Forschungen unter Einbeziehung

naturwissenschaftlicher Methoden und des Umfeldes von Traunkirchen untersucht. Nach einer Corona-bedingten Verschiebung beginnen die Prospektionen in der Woche zwischen 19. und 23 Oktober. „Da sich die archäologische Fundzone” so Prof. Trebsche, „sowohl auf Bereiche unter dem Wasserspiegel des Sees als auch auf das trockene Seeufer erstreckt, sind unterschiedliche Prospektionsmethoden

notwendig, um die Ausdehnung der Siedlung, die Tiefe der Fundschichten, ihren Erhaltungszustand und ihr Alter zu ermitteln.”

An Land sind geomagnetische Messungen und Georadar-Untersuchungen vorgesehen, die zur Lokalisierung urgeschichtlicher Befunde und eventueller Baustrukturen aus späterer Zeit dienen. Nach Auswertung der Messergebnisse sind Bohrungen mittels Rammkernsonden zur Überprüfung der

gewonnen Erkenntnisse und zur Gewinnung von Probenmaterial aus größeren Tiefen geplant. Die hier wie auch bei den Tauchgängen und Unterwasserbohrungen gewonnenen Sedimente werden später im Labor untersucht und ihr Alter mit Hilfe der Dendrochronologie (Jahrringdatierung) und 14 C-Methode (Radiokohlenstoffdatierung) bestimmt. Die heuer gewonnenen Erkenntnisse werden in einer zweiten Prospektionsphase im Frühjahr 2021 überprüft und vertieft.

„Auf dieser Grundlage”, so Prof. Trebsche, „können dann Forschungsgrabungen größeren Umfangs geplant werden. Infolge des feuchten Milieus im Boden des Seeufers ist zu erwarten, dass sich neben Keramik und Metallobjekten auch organische Überreste erhalten haben, die nicht nur Auskunft über den Alltag der damaligen Menschen geben könnten, sondern auch über die Beziehungen Traunkirchens zum Bergbau in Hallstatt.”

Ansprech- und Koordinationspartner vor Ort ist der Kulturverein ARCHEKULT. Obmann Manfred Schindlbauer freut sich auf die Zusammenarbeit: "Wir sind sehr stolz darauf, Teil dieses

Forschungsprojektes zu sein und verstehen diese Ehre als Anerkennung der Arbeit, die ARCHEKULT in den letzten Jahren für die Archäologie und für Traunkirchen geleistet hat."

Bericht

Von 19. - 23.10.2020 fand in Traunkirchen die Prospektion des hallstattzeitlichen Siedlungsgebiets unter der Leitung von Prof. Dr. Trebsche statt. Mittels geomagnetischer Sondierung wurden Areale zwischen Friedhof und Musikpavillon sowie im "Pfarrergarten" gescant. Dabei wurden einige sogenannte Störungen lokalisiert, die auf archäologische Befunde hindeuten. 

Gleichzeitig untersuchte ein Taucherteam die Uferzonen um den Anlegesteg. Dabei konnten diverse Hölzer lokalisiert werden, auch Keramikscherben wurden geborgen. Durch die Aufzeichnungen der Taucher und gewonnene Bohrkerne konnten bereits zwei Fundschichten lokalisert werden, die einer näheren Begutachtung harren.

Am 22.10.2020 wurden die Arbeitsmethoden einem interessierten Publikum vorgestellt.

Zusätzlich wurde am 20.10.2020 das vermutete Bergbaugebiet um die Windlegern- und Hochsteinalm begangen. Mit aktiver Unterstützung der jeweiligen Wirte konnten auch hier Stellen lokalisiert werden, die auf prähistorische Aktivitäten hindeuten. Die gewonnenen Daten werden in den kommenden Monaten an der Universität Innsbruck analysiert.

Wir freuen uns auf die Fortsetzung der Forschungen im nächsten Jahr!